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Sport

Schwerer Ruhm: Viele der Sieger von Bern starben früh – Horst Eckel wird heute 80

(08.02.12, 13:28 Uhr) Osnabrück. Aus elf Männern, die im Sommer 1954 ein paar Fußballspiele gewannen, wurden die ersten Helden, die sich Nachkriegsdeutschland wieder leisten konnte. Doch längst nicht allen blieb das Glück nach dem 4. Juli 1954 treu: Sie wurden von Schicksalsschlägen getroffen, der Ruhm wurde zur Last und warf sie um. Viele von ihnen starben früh, nur drei leben noch. Der Einzige, der noch vom „Wunder von Bern“ erzählt, wird heute 80 Jahre alt.

Genauso diszipliniert und ausdauernd, wie er einst im Mittelfeld gespielt hat, spricht Horst Eckel über 1954. Und so, wie er sich damals seinem väterlichen Vorbild Fritz Walter auf dem Spielfeld fügte, pflegt er heute die Erinnerung ganz im Sinne seines Mentors. „Ich setze die Arbeit von Fritz Walter fort. Mit ihm bin ich meinen ganzen Weg gegangen. Da war mir dieses Amt vorbestimmt“, sagt Eckel.
 
Hans Schäfer erzählt gar nichts mehr. „De Knoll“ nennen sie den Linksaußen in Köln, was „Dickkopf“ bedeutet. Und dickköpfig verweigert der einstige Linksaußen die Teilnahme an 1954er-Jubiläen, lehnt Interview-Anfragen ab.
 
Ottmar Walter, der dritte noch Lebende aus der Elf von Bern, ist schwer krank und kann nicht mehr erzählen. Der Bruder von Kapitän Fritz Walter ist einer von denen, die im wahren Leben zurückzahlen mussten für das große Glück von Bern. Der Tankstellenpächter (Werbeslogan: „Willst du unserem Ottmar danken, musst du fleißig bei ihm tanken“) verlor viel Geld; als private Probleme dazukamen, versuchte er einen Selbstmord.
 
Toni Turek, der von Reporter Herbert Zimmermann in den Stand eines „Fußball-Gottes“ erhobene Torwart, wachte mit 54 auf und war von der Hüfte an gelähmt; er quälte sich zehn Jahre. Max Morlock starb an Krebs, als er den Ruhestand genießen wollte; auch Werner Liebrich, Karl Mai und Jupp Posipal wurden nicht mal 70.
 
Am härtesten und schnellsten traf der Fluch des WM-Goldes den Kaiserslauterner Werner Kohlmeyer. Der kraftvolle Verteidiger kostete die Siegesfeiern aus und stieß mit jedem an, der mal mit einem Weltmeister anstoßen wollte. In den Alltag fand er nicht, seine Ehe scheiterte, er verlor die Arbeit als Buchhalter und den Halt. „Früher habt ihr mir freigegeben, damit ich Weltmeister werden kann“, wunderte er sich, als die Ersten mit dem Finger auf ihn zeigten, „dann habt ihr mir freigegeben, weil ich Weltmeister geworden bin. Ich bin es immer noch, aber ihr gebt mir nicht mehr frei.“
 
Er war 49 und arbeitete als Pförtner am Hintereingang eines Mainzer Zeitungshauses, als er am 26. März 1974 an Herzversagen starb. Ein paar Monate vorher hatte er diesen bitteren Satz gesagt: „Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich nie Fußball gespielt hätte.“
 
Andere sicherten sich mit dem WM-Bonus die Grundlage für bürgerlichen Wohlstand, so wie der Lehrer Horst Eckel, Hans Schäfer mit seiner Tankstelle oder Max Morlock mit seiner Lotto-Annahme. Schuften mussten sie alle neben dem Fußball, in dem es noch nicht einmal Ansätze der Rundum-Versorgung von heute gab. Und erst recht nicht das Geld von heute: 2000 DM Prämie zahlte der DFB für die Weltmeisterschaft, dazu kamen Spesen und Sachgeschenke.
 
Dabei waren es Fußballer von internationaler Klasse, die umworben wurden. Helmut Rahn wollten die Einkäufer bei einer Südamerika-Tournee gleich da behalten, auf dem Tisch der Familie Morlock breiteten Unterhändler eines spanischen Klubs 150000 DM aus. Fritz Walter, Hans Schäfer, Ottmar Walter – sie hätten reich werden können mit dem Fußball.
 
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Foto: Hartung

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